Unsere Vereinsgeschichte

Unser Verein kann auf eine stolze 100-jährige Tradition und Geschichte zurückblicken! Was in den 1920er Jahren als lockerer Zusammenschluss von schießsportbegeisterten jungen Männern im Jungbauernbund und später in mehreren Vorgängervereinen begann, ist heute ein lebendiger Verein, in dem Männer und Frauen gleichermaßen begeistert ihrem gemeinsamen Hobby nachgehen.  Auf den folgenden Seiten möchten wir gerne einen Einblick in unsere spannende Geschichte geben. Die Anfangsjahre waren geprägt von einem Auf und Ab in der Bonländer Vereinslandschaft, mit vielen Veränderungen in bewegten Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Wiedergründung im Jahr 1955 entstand dann aus einer kleinen Keimzelle innerhalb von zwei Dekaden einer der größten Vereine im Schützenkreis Esslingen. Dabei wurden stetig unser Schützenhaus und unsere Schießanlagen erweitert und immer mehr Männer und Frauen fanden den Weg zu uns. Aber auch in der jüngsten Vergangenheit sind wir nicht müde geworden, immer etwas für unser verbindendes Element - den Schießsport - zu tun. Aktuell zählt unser Verein 128 Mitglieder mit 80 aktiven Schützinnen und Schützen. Im letzten Jahr konnten wir unsere Drucklufthalle mit einer digitalen Anlage modernisieren und auch in und um das Schützenhaus selbst wird aktuell fleißig an größeren und kleineren Verschönerungen gearbeitet.  

Die Geschichte der Schützenvereine in Deutschland reicht bis ins Mittelalter zurück. Ihre Wurzeln lassen sich bis zu den Bogenschützen zurückverfolgen, die später auch die Bruderschaften und Schützengilden der Armbrustschützen bildeten. Mit der Erfindung des Vorderladers und des Luntenschloßgewehrs um 1520 entstanden innerhalb dieser Gilden eigene Gruppen von „Büchsenschützen“ sowie selbständige bürgerliche Schützenverbände. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Schützenvereine in unseren Landen fast ausgestorben. Erst im frühen 19. Jahrhundert entstanden wieder neue, bürgerliche Schützengesellschaften und es begann eine Blütezeit. Neben dem sportlichen Schießen konzentrierten sich diese Vereine auch auf die Entwicklung geistiger Fähigkeiten und die Förderung der Geselligkeit. Im 20. Jahrhundert erlebten Schützenvereine eine wechselvolle Geschichte. Während der Kaiserzeit und der Weimarer Republik wurden Schützenumzüge und Wettbewerbe zu festen Bestandteilen des Gemeindelebens. Unter dem Nationalsozialismus wurden die Vereine gleichgeschaltet und in den Dienst der Ideologie gestellt, was nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem vorübergehenden Verbot führte. Erst in den 1950er Jahren konnten sich die meisten Vereine neu gründen und an die alten Traditionen anknüpfen, nun auch wieder frei von Ideologie und mit einem stärkeren Fokus auf den sportlichen Aspekt des Schießens.

 

Die Gründungsjahre und die Berg- und Talschützen

 

Die Anfangszeit unseres Vereins oder besser gesagt seiner Vorgängervereine kann als bewegt bezeichnet werden. Tatsächlich begann der Schießsport in Bonlanden bereits in den frühen 1920er Jahren im Jungbauernbund. Es ist überliefert, dass sich die jungen Männer zunächst zum „Zimmerstutzenschießen" an unterschiedlichen Orten, unter anderem in einem Gasthaus, trafen. Aus dieser Gruppe ging dann der „Kleinkaliberschützenverein Bonlanden“ als Abteilung des Kriegervereins Bonlanden hervor, der 1926 erstmals gegründet wurde. Das genaue Gründungsdatum der Abteilung lässt sich nicht mehr rekonstruieren, jedoch berichtet der Filderbote erstmals im Sommer 1926 von zwei vom Verein durchgeführten Preisschießen. Der Gründungsvorsitzende war der Metzger Paul Hörz. Auf dessen Namen und die einiger weiterer Mitglieder stammt auch ein auf das Jahr 1926 ausgestellter Sammelwaffenschein. Damit waren die sogenannten Talschützen geboren. Allerdings noch ohne eine offizielle Schießanlage.

Belegt ist unter anderem mit nebenstehendem Dokument, dass im Jahr 1927 die Talschützen eine Schießanlage im Bombachtal unweit der heutigen Kläranlage errichtet hatten. Die Akten sprechen von drei Bahnen für Kleinkalibergewehre auf die Distanz von 50 Metern. Es fehlte aber noch die Genehmigung der Gemeinde, und daher sprach am 16. Juli 1927 der Vorstand Paul Hörz beim Schultheiß von Bonlanden in der Sache vor. Zwar war bereits am 14. Juli 1927 von einem Herrn des Württembergischen Sportverbands die Anlage abgenommen worden, allerdings war noch wegen der Nähe zum Bombach das Straßen- und Wasserbauamt Cannstatt zu hören. Eine offizielle Genehmigung gab es also noch nicht, und Paul Hörz wurde auch schriftlich als Ergebnis der Vorsprache auf diesen Umstand hingewiesen. Dies hielt die Talschützen jedoch nicht davon ab, ihre neuen Bahnen trotzdem bereits zu nutzen.

Nur einen Tag später wurde von einem Feldschütz Pommer dem Amtoberamt des Schultheißes Folgendes gemeldet:

„Die Kleinkaliberschützenabteilung des Kriegervereins Bonlanden hat am Sonntag, den 17. Juli 1927, auf ihrer Schießbahn im Bombachtal Schießübungen abgehalten. Ich habe dies anlässlich meines Dienstganges am genannten Tage nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr festgestellt. Da die hierzu notwendige Erlaubnis nicht vorliegt, bringe ich den genannten Verein hiermit zur Anzeige.“

Was genau nach dieser Anzeige passierte ist nicht belegt. Es ist jedoch zu vermuten, dass der junge Verein damit offiziell ein jähes Ende fand. Denn bereits ein Jahr später, am 5. Juli 1928, wurde ein „neuer“ Kleinkaliberschützenverein Bonlanden unter dem neuen Vorstand Wilhelm Weber gegründet. Der Vereinszweck war laut damaliger Satzung: 

„Zweck des Vereines ist die Pflege und Hebung des KK-Schießsportes und der zu seiner Ausbildung erforderlichen Leibesübungen unter Ausschluss jeder politischen Betätigung im Rahmen des Vereines. Der Verein dient durch Betonung der erzieherischen Werte des Schießsportes, der Jugendpflege und nur gemeinnützigen Zwecken.“

Es ist davon auszugehen, dass die damals von der Abteilung des Kriegervereins errichtete Schießanlage vom „neuen“ Kleinkaliberschützenverein weiter genutzt wurde. Jedenfalls sind bis zum heutigen Tage noch Reste der alten Anlage an der besagten Stelle zu erkennen. 

Parallel zu den Talschützen gab es die „Bergschützen", einen „Freien Schützenverein", der mit großkalibrigen Waffen schoss und der zu den Arbeiterparteien tendierte. Wann dieser gegründet wurde, ist nicht belegt. Die Schießanlage war jedenfalls oberhalb des Bombachs, etwa am Ort des heutigen Gutshofs Gutenhalde, was den Bergschützen auch ihren Namen einbrachte.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 änderte sich jedoch vieles in der Vereinslandschaft in Bonlanden. Insgesamt war das Bonländer Vereinsleben vor 1933 stark von der Arbeiterbewegung geprägt. Mit Ausnahme des Kriegervereins, des Kleinkaliberschützenvereins, des Sportvereins 1923 und des Albvereins standen alle anderen Vereine den Arbeiterparteien nahe. Fünf Vereine wurden bereits im März 1933 verboten. Oberlehrer Brändle schrieb damals: „Im Dorf war große Aufregung. Verschiedene Vereine wurden aufgelöst. Aufgelöst werden sollen der Freie Schützenverein (die „Bergschützen“), der Rote Sportverein, der Turnverein und der Gesangverein. Auch die Gesangsabteilung des Turnvereins durfte nicht mehr singen.“

Im März 1933 wurde Karl Stauch, seit 1932 Vorsitzender der „Bergschützen“, zusammen mit den Vorständen anderer Vereine ins Lokal „Rössle“ eingeladen. Dort traf er auf Major Völter aus Stuttgart, der ihm mitteilte, dass sein Verein aufgelöst werden solle. Stauch widersprach vehement und betonte, der Verein habe sich ausschließlich der Kameradschaft verschrieben und keinerlei politische Aktivitäten betrieben. Daraufhin schlug der Major einen Zusammenschluss mit dem Kleinkaliberschützenverein unter dem damaligen 1. Vorsitzenden Paul Schmid vor. Stauch lehnte diesen Vorschlag jedoch ab. Obwohl er bald darauf der SA-Reserve in Stuttgart beitrat, eskalierte der Konflikt mit der Obrigkeit weiter. Den Bergschützen wurde weiterhin vorgeworfen, sie seien nicht nationalsozialistisch genug ausgerichtet. Der Vorsitzende Stauch wurde bezichtigt, „dass er Kommunisten, die in seinem Verein Mitglieder waren, halte und unterstütze.“ 

Darauf wurde der Verein dann tatsächlich aufgelöst und als „Schützengilde Bonlanden" am 1. April 1935 neu gegründet. Karl Stauch trat dabei als Vorstand zurück, nachdem er schon im August 1933 aus der SA-Reserve ausgetreten war. Unter seinem Nachfolger Ludwig Stoll als Vereinsvorsitzenden passte sich der Verein den politischen Verhältnissen an.

Generell wurden die Vereine zu dieser Zeit sukzessive gleichgeschaltet. Unter anderem wurde der Vereinszweck nunmehr per Satzungsvordruck vorgegeben. So stand sowohl in der Satzung des „neuen“ Kleinkaliberschützenvereins Bonlanden, als auch der „Schützengilde Bonlanden“ zum Vereinszweck Folgendes:

„Der Verein bezweckt die leibliche und seelische Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates durch die planmäßige Pflege der Leibesübungen, insbesondere des …“

Während beim Kleinkaliberschützenverein im Zitat dann das Wort „Kleinkaliberschießens“ folgte, war es bei der Schützengilde das Wort „Großkaliberschießens“.

Trotz all dem wurde innerhalb der insgesamt vier in Bonlanden über die Zeit von Mitte der 1920er Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg existierenden Schützenvereine auch sportlich geschossen. Neben dem geselligen Beisammensein in den Vereinen fand auch der Wettkampf mit anderen Schützenvereinen statt, bei denen die Bonländer Schützen Erfolge und Preise erzielen konnten. Insbesondere mit Echterdingen fand ein reger sportlicher Austausch statt. Zwar waren im Vergleich zu heute die Ringabstände auf den Zielscheiben noch größer, doch eine ruhige Hand und ein gutes Auge waren schon damals wichtig, um ein erfolgreicher Schütze zu sein. Besonders die „Schützengilde Bonlanden“ hat sich abseits des Schießsports auch kulturell engagiert. Es wurden vom Verein auch Konzert- und Unterhaltungsabende veranstaltet. Noch im Mai 1939 lud man zu einem Konzert mit dem Sänger Alfons Fügel ein, der mit seiner „ausgeglichenen Stimme" die Zuhörer restlos begeisterte. Der Artikel schloss mit einem Appell an den Kunstsänger Alfons Fügel: „Hoffen wir, dass sich der Meister des hohen „c" noch recht oft in seiner Heimatgemeinde hören lässt.“

Mit diesem Zitat lassen sich sicher gewisse Vorahnungen verbinden, denn wenige Monate später begann im September 1939 der Zweite Weltkrieg. Wie es mit der „Schützengilde Bonlanden“ während der Kriegszeit weiterging, ist nicht mehr rekonstruierbar. Nur vom „Kleinkaliberschützenverein Bonlanden“ ist per Dokument belegt, dass im Mai 1940 Erich Laux zum 1. Vorstand wiedergewählt wurde und der Verein zu dieser Zeit noch 38 Mitglieder hatte. Danach verlieren sich die Spuren. Fakt ist, dass nach Kriegsende 1945 alle bestehenden Schützenvereine deutschlandweit gemäß des Kontrollratgesetzes der Militärregierung umgehend aufgelöst wurden. Formal erfolgte der Akt der Auflösung für den Kleinkaliberschützenverein Bonlanden per Verfügung des Amtsgerichts Stuttgart sogar erst im April 1949, kurz vor der Gründung der Bundesrepublik.

Gemeinsames Gruppenbild der Berg- und Talschützen (um 1930)

 
Die Wiedergründung im Jahr 1955

 

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 und Inkrafttreten des Grundgesetzes (Artikel 9) war es auch wieder formal möglich, einen Verein zu gründen. Bis zur Neugründung unseres Kleinkaliberschützenvereins vergingen dann nochmals sechs Jahre. Jedoch wurde im Flecken auch davor schon wieder fleißig geschossen. So ist überliefert, dass im Gasthaus Ochsen, dessen Wirt unser Gründungsvorsitzende Gebhard Eger jun. war, von den Besuchern der Wirtschaft in der Wirtsstube mit Luftgewehren auf Scheiben geschossen wurde. Diese hingen über der Theke. Unten wurde das Bier ausgeschenkt, und auf die Scheiben oben wurde geschossen.

Die eigentliche Neugründung des heutigen Kleinkaliber-Schützenvereins in Bonlanden ist auf eine Begebenheit im Frühjahr 1955 zurückzuführen. Aus irgendeinem Grund stand eine Schießbude am „Lindle“. Ein Bonländer schoss fleißig, als ein anderer neben ihm stand und mit seinem Luftgewehr auf die Ringscheibe zielte. Sie tauschten Blicke aus und merkten, dass beide ziemlich gut schossen. Sie kamen ins Gespräch und fragten sich, ob es in Bonlanden einen Schützenverein gab. Da es keinen gab, beschlossen sie, einen zu gründen. Bald darauf trafen sich acht Männer unter dem Vorsitzenden Gebhard Eger jun., um sich eine Vereinssatzung zu geben und Bonlanden hatte ab dem 11. Juni 1955 offiziell wieder seinen Schützenverein.

Jedoch fehlte den Schützen wieder eine Schießbahn. Bereits am 4. August 1955 wurde vom neugegründeten Kleinkaliberschützenverein Bonlanden der Gemeinderat darum gebeten, ihm zur Herstellung einer geeigneten Schießbahn den unteren Teil des Auffüllplatzes der Gemeinde zu überlassen. Der Bitte wurde stattgegeben und mit großem Engagement der Mitglieder wurde in den Jahren 1956 und 1957 in Eigenleistung mitten im Wald ein Schützenhaus mit Schießbahnen erbaut. Es hatte vier Kleinkaliberbahnen und zehn Luftgewehrstände. Am 6. und 7. Juli 1957 konnte dieses schließlich mit Festprogramm und einem Eröffnungsschießen eingeweiht werden. Heute zwar nicht mehr vorstellbar, aber die Anlage hatte zu dieser Zeit noch keinen Stromanschluss. Erst bei einer Beratung des Gemeinderats im Juni 1962 wurde wiederum einer Bitte des Vereins stattgegeben, den Anschluss an das Stromnetz von der Gutenhalde her herstellen zu dürfen. 

Leider kam es nicht mehr zur Umsetzung der Maßnahme, denn die Natur machte unseren damaligen Kameraden einen Strich durch die Rechnung. Der Hang kam langsam ins Rutschen. Bereits im Juli 1961 kam es zu einem Zwischenfall, bei dem eine große Blende, die nach Süden hin den Auffüllplatz der Gemeinde abschirmte, durch herabfallende Felsbrocken umgedrückt wurde. Spätestens jedoch zu Beginn des Jahres 1963 stand fest, dass das Gelände und damit das Schützenhaus und der Schießstand aufgrund der Erdbewegungen des nahe gelegenen ehemaligen Müllplatzes nicht mehr zu retten waren.

Der Verein begab sich auf die Suche nach einem neuen Standort und wurde in der Nähe fündig. In einer Gemeinderatssitzung am 16. August 1963 wurde der „Alte Steinbruch“ gegenüber dem Auffüllplatz etwas weiter oberhalb in Richtung Uhlbergturm als geeignete Stelle ausgemacht. Das Gelände war jedoch sehr unwegsam und musste deshalb vor der Bebauung planiert werden. Dazu waren große Baufahrzeuge nötig, die zum damaligen Zeitpunkt auf den Fildern nur die US-Army hatte. Glücklicherweise verlief die Anfrage des damaligen Bürgermeisters bei den Streitkräften erfolgreich. Im Juni 1964 rückte das 94. Pionierbataillon der Amerikaner aus Nellingen mit zwei Riesenplanierraupen an und planierte einen 50 Meter langen Platz in die Waldböschung. Die Grundlage zur Errichtung eines neuen Schützenhauses mit geeigneter Schießbahn war damit gelegt. 

Gemäß einstimmigem Beschluss der damals 42 anwesenden Schützenbrüder bei der Mitgliederversammlung wurde jedes Mitglied verpflichtet, sich mit einer Arbeitsleistung von 80 Arbeitsstunden und einem zinslosen Darlehen von 100 DM als sogenannter „Baustein“ am Neubau des Schützenhauses zu beteiligen.

Das Ergebnis war nach weit über 5.000 Arbeitsstunden das heutige Schützenhaus, das im Jahr 1966 fertiggestellt werden konnte. Geschossen werden konnte nun mit dem Kleinkalibergewehr auf vier Bahnen auf die Distanz von 50 Metern. Und auch mit dem Luftgewehr oder der Luftpistole auf die 10-Meter-Distanz konnten die damaligen Schützen nun trainieren, allerdings noch im Freien. Ein großer Vorteil des Standortes war auch der direkte Zugang zu einer Wasserquelle. Unter dem Schützenhaus gibt es einen Brunnen, der zur damaligen Zeit erstklassiges Quellwasser lieferte. Heute ist das Anwesen für alle Bonländer, die auf den Uhlberg wandern oder in den Wengert fahren, zum mittlerweile selbstverständlichen Anblick geworden.

 
Der Verein wächst und erweitert seine Anlagen 

 

Im Laufe der darauffolgenden 1970er Jahre entwickelte sich der Kleinkaliberschützenverein Bonlanden zu einem der größten Vereine des Schützenkreises Esslingen. Im Jahr 1972 wurde erstmals eines unserer Mitglieder Kreismeister. Dieter Breuning konnte mit dem Luftgewehr und 275 Ringen den Wettkampf für sich entscheiden. Neben dem Sport kam auch die Kameradschaft untereinander nicht zu kurz. So ging der Vereinsausflug im selben Jahr in den Schwarzwald. Und auch für die anderen Filderstädter Vereine war etwas geboten. Der Wanderpokal des Vereinspokalschießen ging zum Beispiel im Jahr 1973 an den Sängerkranz Bonlanden. Im Jahr 1974 zählte der Verein dann insgesamt 102 Mitglieder, davon 15 Frauen und 15 Jugendliche. Ebenfalls in dieser Zeit wurde eine erste Damenmannschaft gegründet, die den Herren in nichts nachstand und bei Wettkämpfen und Meisterschaften beachtliche Erfolge erzielte. Unser 50-jähriges Vereinsjubiläum beging man im Jahr 1976 im Rahmen des großen Kreisschützenballs als traditionellen Abschluss der Kreismeisterschaft und man tanzte zu den Klängen der Bonländer Musikanten. 

Bis ins Jahr 1983 waren die Schießsportdisziplinen in unserem Verein ausschließlich auf die 50-Meter-Distanz und die 10-Meter-Distanz für das Luftgewehr bzw. die Luftpistole beschränkt. Dies änderte sich mit dem Bau einer Pistolenbahn, auf der auf einer Entfernung von 25 Metern auch mit großkalibrigen Kurzwaffen geschossen werden konnte. Der gesamte Bau der Anlage, der 1980 begann, wurde ebenfalls vollständig in Eigenleistung und mit unzähligen Arbeitsstunden der damals insgesamt 114 Mitglieder gestemmt. So wurde der Verein nochmals attraktiver für interessierte Sportschützinnen und Sportschützen aus der Umgebung. Und es zeigte sich auch schnell in den sportlichen Erfolgen des Vereins, sei es nun bei Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften, dass sich der Aufwand und die geleisteten Arbeitsstunden gelohnt haben. Die Mitgliederzahl stieg daraufhin bis zum nächsten für den Verein bedeutsamen Jahr 1987 auf 126 Schützinnen und Schützen an, davon 21 Frauen und 15 Jugendliche.

 

Im August des besagten Jahres 1987 wandten sich die Mitglieder der Luftgewehr- und Luftpistolenschützenabteilung an die Vereinsführung. Die über 20 Jahre alte Luftgewehr- und Luftpistolenbahn benötigte dringend eine Sanierung, da Wind und Wetter der Außenanlage stark zugesetzt hatten. Man schlug vor, eine geschlossene und beheizbare Halle zu errichten. Der Vorstand zeigte sich offen für den Vorschlag und begann umgehend mit der Planung. Im Januar 1988 beschlossen die Mitglieder auf der Mitgliederversammlung die Baumaßnahme. Diese wurden ebenfalls vollständig in  Eigenleistung erbracht. Anfang Juli 1989 war der Rohbau so weit fertiggestellt, dass am 15. Juli 1989 Richtfest gefeiert werden konnte. Anschließend wurde mit dem Innenausbau begonnen. Dabei wurden in den neuen Räumen zehn elektrisch betriebene Seilzuganlagen für die 10-Meter-Distanz installiert. Der Innenausbau wurde dann im Verlauf des Jahres 1990 abgeschlossen und die neue Drucklufthalle konnte im Oktober 1990 nach über 5.000 Stunden freiwilliger Arbeitseinsätze mit einem Festakt und einem großen Preisschießen für Jedermann eingeweiht werden. Die neue Schießhalle ermöglicht es bis heute unseren Schützinnen und Schützen, unabhängig von Witterung und Temperatur ihr Training und die Wettkämpfe durchzuführen. Durch den Neubau konnte damals das schießsportliche Angebot des Schützenvereins nochmals wesentlich erweitert und attraktiver gestaltet werden. Dies zeigte sich auch durch die steigende Nachfrage von Neumitgliedern und vor allem von Jugendlichen, die mit dem Schießsport beginnen wollten. Damals beteiligte man sich auch noch unter anderem aktiv am Ferienprogramm der Gemeinde. Und beim damals noch alljährlich in Bonlanden stattfindenden Sai-Fescht stellte man für die breite Öffentlichkeit eine Schießbude zur Verfügung. 

 
Von der Fahnenweihe 1995 bis heute

 

Nach den Um- und Anbaumaßnahmen der 1980er Jahre und der damit verbundenen gesteigerten Attraktivität der Schießanlagen wuchs der Verein immer weiter. Im Jahr 1995 waren dann bereits 210 Personen Mitglied im Kleinkaliberschützenverein Bonlanden. Sportlich lief es ebenfalls sehr gut und man konnte in dieser Zeit in der Kreis-, Bezirks- und Landesliga viele Erfolge feiern. Was unserem Verein zu dieser Zeit aber noch fehlte, war eine standesgemäße Vereinsfahne. Unter dem damaligen Vorsitzenden Rüdiger Schneider reifte der Plan, eine neue, schmucke Fahne anzuschaffen. Diese wurde durch zahlreiche Spenden der Vereinsmitglieder finanziert. Am 16. September 1995 konnte unsere Vereinsfahne als „Symbol des Miteinanders“ dann feierlich im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der Liebfrauenkirche Bonlanden geweiht werden. Etliche befreundete Schützenvereine waren zu  diesem besonderen Ereignis zu Gast. Im Anschluss zum Gottesdienst wurde in der neuen Drucklufthalle gefeiert, die auch als Veranstaltungssaal genutzt werden kann. Auch der damalige Oberbürgermeister Dr. Bümlein zählte zu den Gästen, von dem an diesem Nachmittag folgendes Zitat überliefert ist: „Ein Verein ohne eine große, traditionsreiche Fahne wäre wie ein Württemberger ohne Daimler …“

Das nächste große Ereignis in der Vereinsgeschichte war die 75-Jahr-Feier im Jahr 2001. Das Jubiläum wurde mit einem großen Festakt begangen. Etliche befreundete Schützenvereine aus der Umgebung waren mit Fahnenabordnungen zu Gast und Rolf Kriesche hielt einen Vortrag zur Vereinsgeschichte.

Im Jahr 2005 mussten wir tatsächlich um  unsere Strom- und Wasserversorgung bangen. Bisher konnten wir unser Trinkwasser aus dem bekannten Brunnen unter dem Schützenhaus beziehen. Dieser liegt aber in rund 100 Meter Entfernung von der früheren Hausmülldeponie. Durch die Sickerwässer des Mülls verschlechterte sich die Wasserqualität zu dieser Zeit rapide und das Quellwasser konnte nicht mehr genutzt werden. Gleichzeitig waren die Stromleitungen so marode, dass bereits des Öfteren das Licht im Schützenhaus ausgegangen ist. Das Schützenhaus musste also dringend an die öffentliche Trinkwasserversorgung und das örtliche Abwassersystem angeschlossen werden.

Der Verein, der schon immer gewohnt war, seine Umbauten und Modernisierungen aus Eigenleistung heraus zu stemmen, sah sich einem 6-stelligen Investitionsvolumen gegenüber und man war auf Zuschüsse der Stadt angewiesen. Letztlich konnte mit einer Sonderumlage der Mitglieder, abermals zinslosen Darlehen auf Basis von „Bausteinen“ und den Zuschüssen der Stadt dann während des Jahres 2006 die Strom- und Wasserversorgung sichergestellt werden. 

Im Jahr 2013 stand wieder eine größere Renovierungsmaßnahme an. Nicht nur das Schützenhaus bekam ein neues Dach, sondern auch die Schießbahnen wurden grundsaniert und mit einer elektronischen Steueranlage für die Pistolenbahn ausgestattet. Wieder alles in Eigenleistung. Danach ging das Vereinsleben weiter seinen gewohnten Gang. Man traf sich zu geselligen Abenden, veranstaltete Traditionstermine wie die Vatertagshocketse, trainierte gemeinsam die unterschiedlichen Disziplinen des Schießsports und nahm erfolgreich an unterschiedlichsten Wettkämpfen teil. Aber wie überall wurde unser Vereinsleben im Frühjahr 2020 durch die Corona-Pandemie jäh unterbrochen. Trotz der herausfordernden Zeit gelang es uns, einen den damals geltenden Hygieneregeln entsprechenden Schießbetrieb und Trainingsmöglichkeiten für unsere Mitglieder sicherzustellen. Andere traditionsreiche Veranstaltungen wie unser „Adlerschießen“ fielen leider in den Jahren 2020 und 2021 wegen der Pandemie aus.

Das Jahr 2025 stand ganz unter dem Zeichen der Digitalisierung. Wir haben zwar bereits seit etlichen Jahren eine etablierte Homepage, diese wurde in diesem Jahr aber einem umfassenden Neudesign unterzogen und erstrahlt seitdem in neuem Glanz. Unter der bekannten Internetadresse https://www.kksv.org lassen sich viele Informationen und Aktuelles zu unserem Verein abrufen. Dort sind auch die Artikel unseres Vereins aus dem Amtsblatt der Stadt Filderstadt für alle, die außerhalb des Verbreitungsgebiets wohnen, jederzeit abrufbar. Mit mehr als 25.000 jährlichen Zugriffen ist die Seite auch sehr gut besucht.

Für unsere Vereinsmitglieder wurde ebenfalls im letzten Jahr ein neuer interner Mitgliederbereich freigeschaltet, auf den sich sogar über eine App auf dem Smartphone zugreifen lässt. Dort kann man sich als Standaufsicht eintragen, alle relevanten Vereinstermine sehen, sich über ein Forum untereinander austauschen und sogar miteinander chatten. 

Die größte Investition im vergangenen Jahr war die Renovierung und Modernisierung unserer Drucklufthalle. Hier wurden wieder alle Arbeiten in Eigenleistung erledigt. Nach monatelanger Vorbereitung konnte in einer Rekordzeit von nur zwei Wochen und mit dem Einsatz vieler Helferinnen und Helfer nicht nur die neueste Generation einer Schießanlage der Fa. Meyton eingebaut, sondern auch die komplette Rückwand der Halle neu aufgebaut werden. Zudem wurden die Schießtische erneuert und viele weitere bauliche und mobiliarbezogene Verbesserungen in der Drucklufthalle umgesetzt. Ohne die Unterstützung unseres Ehrenmitglieds Martin Schall wäre dies nicht möglich gewesen, daher an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank. Jedenfalls wird nun nicht mehr auf Papierscheiben über eine Seilzuganlage geschossen, sondern auf vollelektronische Messrahmen. Die Trefferanzeige erfolgt digital auf einem Tablet-Bildschirm. Am 20. September 2025 konnten wir die Anlage offiziell in der Winterrunde der Kreisliga in der Disziplin Luftpistole bei einem vereinsinternen Wettkampf unserer 2. gegen unsere 3. Luftpistolenmannschaft einweihen.

Unser Kleinkaliberschützenverein Bonlanden war während seines 100-jährigen Bestehens schon immer vielen Herausforderungen und sich ändernden Rahmenbedingungen ausgesetzt. Aber durch unsere starke Gemeinschaft und unseren Einsatzwillen gelang es immer, entsprechende Antworten und Lösungen zu finden. Dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, sind wir uns sicher, denn wir fühlen uns auf jeden Fall auch für die nächsten 100 Jahre gut gerüstet.